St. Antonius-Hospital Gronau GmbH
Akademisches Lehrkrankenhaus der
Westfälischen Wilhelms-Universität Münster
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Gedenkkultur

Totengedenken und Trauerkultur in der Altenhilfe

Der Tod gehört zum Alltag in unseren Senioreneinrichtungen. Und gerade deshalb wollen wir ihn nicht verdrängen und zur kaum beachteten Routine werden lassen. Den bewussten und achtsamen Umgang mit dem Tod und den Verstorbenen betrachten wir als eine wesentliche Aufgabe der Altenhilfe. In unseren Senioreneinrichtungen pflegen wir eine Trauerkultur, die Angehörige, Mitbewohner und Mitarbeiter gleichermaßen ansprechen möchte. Die Verstorbenen nicht zu vergessen, ihrer zu gedenken, ihre Namen zu nennen und sich an sie zu erinnern, ist ein Ausdruck unserer Auffassung von Menschenwürde und Wertschätzung der Person.

Den Angehörigen, die dem Verstorbenen am nächsten stehen, zeigen wir durch unser bewusstes Gedenken unser Mitgefühl und machen deutlich, dass wir Anteil nehmen an ihrer Trauer. Für die Mitbewohner ist es wichtig, sie in das Totengedenken einzubeziehen. Sie bemerken unmittelbar, dass plötzlich ein Platz leer ist. Der Tod des Mitbewohners wird nicht tabuisiert. In den Hausgemeinschaften wird beim Tischgebet der Verstorbenen gedacht und für sie gebetet. Die Mitarbeiter des sozialen Dienstes stellen für einige Tage eine kleine Gedenktafel mit dem Namen des verstorbenen Bewohners, Blumen und ein Licht auf. Eine schwarze Schleife an der Zimmertür des Verstorbenen zeigt an, dass der Bewohner verstorben ist.

Es sind aber nicht nur die äußeren Zeichen, die helfen sollen, sich mit der eigenen Trauer und dem Tod auseinanderzusetzen. Die Mitarbeiter in Pflege und Betreuung sprechen bewusst mit den Bewohnern über den Verstorbenen.  Sie erinnern sich an gemeinsame Erlebnisse, an frohe und traurige Erfahrungen.  Dass Bewohner dabei auch an ihren eigenen Tod denken, liegt nahe. So ist der Tod eines Mitbewohners nicht selten ein Anlass, die persönlichen Ängste und Gefühle angesichts des eigenen Todes zur Sprache zu bringen. Dabei ist es nicht nur Aufgabe der Seelsorger, ein offenes Ohr für die Fragen und Sorgen der alten Menschen zu haben. Für die Betroffenen ist es eine heilsame Erfahrung, wenn in einem offenen und ehrlichen Gespräch auf Augenhöhe Fragen zugelassen und Ängste benannt werden dürfen. Es geht nicht darum, mit starren Worthülsen zu vertrösten, sondern Trost in der mitmenschlichen Begegnung zu erfahren. 

Das ist letztlich auch die Grundlage unseres christlichen Seelsorgeverständnisses. Gläubige Christen wissen nicht mehr über den Tod und das, was danach kommt, als Nichtchristen. Doch ist es gut, wenn sie ihr ehrlich empfundenes Vertrauen und ihre Hoffnung auf den Gott der Liebe und des Lebens, der unser Denken und die irdischen Grenzen übersteigt, respektvoll und unaufdringlich mitteilen. Menschen, die Zweifel und Ängste aufrichtig teilen können, zugleich aber nicht ohne Zuversicht und Hoffnung sind, können für ihre Mitmenschen ein wirksamer Trost sein.  

Wenn wir bei unseren alljährlichen Gedenkgottesdiensten die Namen der in unseren Häusern Verstorbenen nennen, wissen wir, dass jeder Mensch auch in seiner Spiritualität und Religiosität einmalig ist. Nicht jeder ist gläubiger Christ und auch unter den Christen gibt es real unterschiedliche Auffassungen vom Tod und vom Sinn des Lebens. So kann es doch für alle und damit auch  für die unterschiedlichen Persönlichkeiten der  Mitarbeiterteams in unserer Altenhilfe , die oft mit dem Tod konfrontiert werden, eine Hilfe sein,  wenn wir uns der Verstorbenen erinnern, ihre Lebensgeschichte  würdigen und die Hoffnung aussprechen, dass wir über alle Zeiten „von guten Mächten wunderbar geborgen“ sind. 

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